Die Geschichte
Was, wenn sich vor allem die Lautsprecheranordnung immer wieder ändert?
Ein herkömmlicher Hörraum wird meist für eine bestimmte Lösung geplant: ein Stereopaar, eine 5.1-Anordnung oder ein Kino-Lautsprechersystem. Das ist effizient, solange der Raum nicht dem Unterricht, dem Vergleich oder der Umwandlung zwischen Systemen dienen soll, die unterschiedliche Vorstellungen von der Richtung des Schalls haben.
AGM behandelte den Raum mit Replay Environments als konfigurierbares Mehrkanalinstrument. Die Entwicklungsunterlagen beschreiben Ambisonic- und weitere Surround-Wiedergabe, herkömmliche Stereofonie sowie Auswertung, Formatumwandlung und Signalverarbeitung. Das Ziel war keine spektakuläre Ansammlung von Lautsprechern um ihrer selbst willen, sondern ein Raum, in dem unterschiedliche räumliche Formate nach ihren jeweiligen Voraussetzungen gehört und beurteilt werden können.
Die Lautsprecher sind nicht das künstlerische Ziel. Sie sind lediglich der Mechanismus, mit dem ein codiertes Schallfeld rekonstruiert wird. Das reproduzierte akustische Ereignis ist das Produkt.
Das Präsentationsbild war bewusst einfacher als die Idee
Die damaligen Visualisierungen für Auftraggeber zeigten konventionell wirkende Lautsprecher, weil sie in einer Präsentation leichter verständlich waren. Die erhaltene 12ton-Entwicklungsseite hält ausdrücklich fest, dass die tatsächlich vorgesehenen Lautsprecher eher kleinen Kugeln ähnelten. Dieser Unterschied verdeutlicht: Es ging um Geometrie und Funktion des Schallfeldes, nicht um einen futuristischen Raumeindruck.
Teil einer langjährigen Arbeitsweise von AGM
Das Projekt steht in einer Reihe mit den früheren Arbeiten am Virtual Room, dem MR1-Mikrofonsystem und späteren Ausstellungsinstallationen mit vielen Kanälen. Immer wieder ging es um dieselbe Frage: Wie kann sich ein technisches System an die künstlerische Aufgabe oder die Hörsituation anpassen, statt die Aufgabe in ein festes Format zu zwängen?


